20 Jahre Deutschlandradio /

 

Festakt zum 20-jährigen Bestehen Bundespräsident würdigt Deutschlandradio

Von Helmut Buchholz

Feier des 20-jährigen Bestehens des Deutschlandradios in Berlin, Museum für Kommunikation (Deutschlandradio / Christian Kruppa)
Bundespräsident Joachim Gauck und Deutschlandradio-Intendant Dr. Willi Steul (re) (Deutschlandradio / Christian Kruppa)

Eine Festveranstaltung mit Bundespräsident Joachim Gauck bildete am 26. März 2014 den Höhepunkt des 20-Jahre-Jubiläums von Deutschlandradio. Über 400 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Medien und öffentlichem Leben hatten sich im Berliner Museum für Kommunikation zu einem festlichen Abend mit einem illustren und abwechslungsreichen Kulturprogramm versammelt.

Das DSO-Bläserensemble und die Pianistin Sophie Pacini setzten mit Frescobaldi, Liszt und Chopin die musikalischen Akzente. Der Slam-Poet Bas Böttcher sowie die Schauspieler Britta Steffenhagen und Florian Lukas boten unterhaltsame Wortkunst. Die Hörfunkdirektorin der BBC, Helen Boaden, sowie der Intendant von Radio France, Jean Luc Hees, waren eigens aus London und Paris angereist, um dem Deutschlandradio in je einer Keynote zu gratulieren. Den roten Faden durch den Abend spann gewohnt souverän der Moderator Denis Scheck.

Intendant Dr. Willi Steul unterstrich in seiner Begrüßungsansprache die medienpolitische Bedeutung des Deutschlandradio als dritte Säule der öffentlich-rechtlichen Programmfamilie. Bevor er den Bundespräsidenten ans Mikrofon bat, formulierte er, in Anlehnung an Loriot, das Motto des Abends:

"Ein Leben ohne Deutschlandradio ist zwar vorstellbar – aber sinnlos."

Bundespräsident Joachim Gauck, Hauptredner des Abends, würdigte in seinem Festvortrag die Rolle des Deutschlandradio als medialer Katalysator der deutschen Einheit. Der nationale Hörfunk sei zwar "Produkt", vor allem aber sei er "Motor" und "Labor" der Einheit und damit "eine der schönsten Transformationsgeschichten, die unser Land zu erzählen hat." Deutschlandradio sei eine Institution, in der "Menschen mit Ost- und Westbiografien ( … ) zusammen etwas Neues geschaffen haben".

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Bundespräsident Joachim Gauck, Intendant Dr. Willi Steul, die Hörfunkdirektorin der BBC, Helen Boaden, sowie der Intendant von Radio France, Jean Luc Hees (von links nach rechts)

Neben dem bereits Erreichten verblieben indes Aufgaben, die dauerhaft weiterbestehen: Es gelte zum einen, die föderale Vielfalt der Länder medial zu bündeln, jedoch auch Europa und die Welt fest im Blick der journalistischen Arbeit zu behalten. Auch dafür werde ein nationales Hörfunkangebot gebraucht, so Gauck. Ergänzend führte er aus:

"Wer heute die Vielfalt unserer Hörfunklandschaft, zu der die Programme des Deutschlandradios gehören, mit fremden Ohren zu hören versucht, der kann keinen Zweifel daran haben, wie wertvoll eine öffentlich-rechtliche, aber dennoch staatsferne Säule unseres dualen Rundfunksystems ist. Die Rundfunkfreiheit des Grundgesetzes gewährleistet deshalb eine Medienlandschaft, die an Vielfalt ausgerichtet ist und eine politische Instrumentalisierung des Rundfunks verhindert. Für die heute gefeierten Programme (des Deutschlandradio) bedeutet diese grundgesetzliche Gewährleistung: Was für ein Privileg, bundesweit und werbefrei senden zu dürfen! Welch ein Privileg, nicht auf Quote schielen zu müssen! Welch ein Privileg, noch in ganzen Sätzen Radio machen zu dürfen!"

Feier des 20-jährigen Bestehens des Deutschlandradios in Berlin, Museum für Kommunikation (Deutschlandradio / Christian Kruppa) (Deutschlandradio / Christian Kruppa)

Daraus, so Gauck weiter, leite sich im Hinblick auf die vorerst gesicherte ökonomische Situation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Verpflichtung ab, diese journalistischen Privilegien "kontinuierlich zu begründen." Es gelte zwar, "innovativ zu sein und neue Technologien zu nutzen – nicht aber um den Preis der Qualitätsminderung." Gefragt sei wie bisher Souveränität, die der Findung und Aufbereitung von "Themen abseits vom Meinungs-Hauptstrom" diene. Es gelte die Prämisse, "komplexe Zusammenhänge auch komplex darzustellen – aber nicht zum Umschalten zu verleiten." Er appellierte dabei an das "Verantwortungsbewusstsein im Journalismus" als klar formulierter Alternative zu Medien, die zu "Empörungsverstärkern mutieren."

Gauck schloss seine Rede mit einem Resümee, gerichtet an die Adresse derer, die die Programme verantworten und täglich neu planen und gestalten:

"Was bleibt ist das Bedürfnis nach verlässlicher Information, nach verständlicher Einordnung, nach Orientierung in einer Gegenwart, die viele als immer unübersichtlicher empfinden. Das ist ein ungeheuer wichtiger Auftrag. Denn unsere Demokratie ruht auf der Fähigkeit der Bürger und Bürgerinnen und Bürger, sich in der Unübersichtlichkeit nicht zu verlieren, sondern eine eigene Meinung bilden zu können. Dem Deutschlandradio, seinen Programmen und allen Verantwortlichen sage ich jetzt: herzlichen Dank! Sie haben uns in den vergangenen 20 Jahren durch allen Wandel hindurch zuverlässig begleitet. Sie haben mit Verantwortungsbereitschaft Veränderung gewagt. Ich wünsche Ihnen den Mut, sich weiter zu wandeln, wenn es notwendig ist und die Weisheit zu erkennen, wann das notwendig ist. Und damit alles Gute für alle kommenden Jahre!"

Unsere Jubiläumsbroschüre zum Download (Deutschlandradio, 19.03.2014)

Analysen, Unterhaltung, Spannung (Deutschlandradio, 26.03.2014)

Unsere Leistungsbilanz (Deutschlandradio, 19.03.2014)

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